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Presse

• 19.12.2001 Renate Gradistanac, SPD-Bundestagsabgeordnete, besucht das Lebenszentrum
• Vom Sozialhilfeempfänger ...

Stärkung von Lebenskompetenzen ist Suchtprävention

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Gradistanac besuchte Lebenszentrum

Ein Informationsbesuch führte die SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Gradistanac kürzlich ins Lebenszentrum Ebhausen, eine Rehabilitationseinrichtung für alkohol- und drogenabhängige Männer. Nach einem Rundgang stellte Pastor Kurt Wegenast, Leiter der Einrichtung, die Konzeption des Hauses vor. „Suchtkranke brauchen, um aus ihrer Sucht aussteigen zu können, eine Neuorientierung ihrer Persönlichkeit“, erklärte er. „Sie leben dann langfristig ohne Suchtmittel, wenn es ihnen gelingt, zu Sinnerfüllung und hoffnungsvoller Lebensorientierung zu finden“.
18 Adaptionsplätze stünden Patienten im Alter zwischen 18 und 45 Jahren im Anschluss an die Entlassung aus einer Therapie oder Fachklinik im Lebenszentrum zur Verfügung. „Die Adaptionsphase bezeichnet die Zeit, die an eine Entgiftungs- oder Entwöhnungsphase anschließt und dauert rund vier bis fünf Monate“, so Kurt Wegenast. Die Patienten würden bei der weiteren Stabilisierung ihrer Persönlichkeit und der Abstinenz unterstützt und erhielten Hilfestellung bei der Berufsfindung und Stellensuche. Alte Beziehungen würden geklärt und neue aufgebaut. Die Einleitung von beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen, Regulierung der Schulden und die Verhandlung mit Ämtern und Behörden würden ebenso gefördert wie die Hilfe bei der Freizeitgestaltung und der Antwortsuche in Sinn- und Lebensfragen. Auffallend sei, dass Suchtkranke häufig nur das Negative sehen würden. Während der Adaption lernten sie, sich mehr und mehr an kleinen Erfolgen zu orientieren und positive Lebenserfahrungen zu sammeln, um Belastungen dann besser ertragen zu können.
In der Arbeitstherapie trainierten die Bewohner unter möglichst realistischen Bedingungen die Wiedereingleiderung ins Berufsleben, führte Kurt Wegenast weiter aus. Das Durchhaltevermögen würde nach und nach gesteigert. Wöchentlich wären 33 Stunden Arbeitstherapie abzuleisten. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt lobte der Pastor ausdrücklich. Der Integration in den freien Arbeitsmarkt komme eine hohe Bedeutung zu. Gute Erfahrungen seien mit der Vermittlung in externe Praktika gemacht worden. In der Vergangenheit habe man zu den Betrieben in der Umgebung ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen können. Das Arbeitsamt zahle Einarbeitungszuschüsse, was die Vermittlung in unterschiedliche Arbeitsbereiche begünstige. Zu beklagen sei allerdings der hohe bürokratische Aufwand bedingt durch den Umgang mit vielen Anlaufstellen wie Sozialamt, Rentenversicherungen oder Arbeitsamt. Das koste viel Zeit.
„Viele Menschen finden hier im Lebenszentrum wieder einen Weg in ein neues, sinnerfülltes Leben“, bemerkte Pastor Wegenast. Doch es komme auch vor, dass mit den Therapieangeboten an Grenzen gestoßen werde, die eine Weiterentwicklung unterbindeten. Suchtverlagerung sei eher von untergeordneter Bedeutung. Gewalt spiele allerdings eine große Rolle. Das Aggressionspotenzial verlange daher eine dezidierte Behandlung. Pastor Wegenast wünschte sich für seine Bewohner, dass sie sich zu selbstbewussten Menschen entwickelten. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Gradistanac verwies auf die Gewalterfahrungen der Suchtkranken, die sie im sozialen Nahraum machten oder als Kinder erlebt hätten. Die Anwendung von Gewalt sei Teil ihrer Konfliktbewältigungsstrategien. „Die Familie ist der Ort der größten Gewaltanwendung. Kinder haben jedoch ein Recht auf gewaltfreie Erziehung“. Das Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung solle die Gewaltspirale durchbrechen. Der grundgesetzlich garantierte Schutz der Würde des Menschen gelte auch für Kinder und die Ächtung von Gewalt als Erziehungsmittel sei letztendlich die Konsequenz einer Norm, wonach Gewalt in der Familie nichts zu suchen habe. Nicht die Androhung oder Anwendung von Gewalt verhindere, dass sich Kinder Suchtmitteln zuwendeten. Die Förderung der Entwicklung von Lebenskompetenzen habe die stärkste präventive Wirkung gegenüber der Sucht. Renate Gradistanac zeigte sich beeindruckt vom großen Engagement und Einfühlungsvermögen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das Lebenszentrum Ebhausen genießt in der Region einen hohen fachlichen Ruf“.

Sozialhilfe – eine soziale Hilfestellung oder Armenspeisung?

Üblicherweise bewegen wir uns innerhalb der Adaptionsphase im Rahmen der medizinischen Rehabilitation, also einer Leistung der Sozialversicherungen. Die Patienten, die eine solche angebotene Leistung in Anspruch nehmen, erhalten zur Sicherung des Lebensunterhalts Lohnersatzleistungen von dem jeweiligen Kostenträger. Dieses Übergangs- oder Krankengeld  berechnet sich nach dem Lohn, bzw. ist in gleicher Höhe wie das zuletzt erhaltene Arbeitslosengeld. Ca. 1/5 unserer Patienten erhielten allerdings bereits vor ihrer Entwöhnungsbehandlung keine Lohn- oder Lohnersatzleistungen, da entweder langjährige Arbeitsunfähigkeit, Wohnsitzlosigkeit oder ein Gefängnisaufenthalt vorausging. Diese Patientengruppe erhält auf Antrag während des Aufenthalts im LZE ein Taschengeld in Höhe von monatlich 162.- DM vom zuständigen überörtlichen Sozialamt, also dem Landeswohlfahrtsverband in Karlsruhe, bzw. Stuttgart. Dieser Barbetrag steht zur Verfügung für die Teilnahme an den üblichen Freizeitveranstaltungen, zur Ausgestaltung von Hobbys, sowie dem Erwerb von Büchern, Zeitschriften, Fahrkarten, Waschmittel, Drogerieartikel und Zigaretten. Ergänzend kann auf Antrag ein Zuschuss für den saisonalen Kleidereinkauf und die Übernahme der monatlichen Krankenversicherungsbeiträge übernommen werden.

Zum geregelten Einkommen................... 

Nachdem die Adaptionsphase abgeschlossen ist, ändert sich für diese Personen der rechtliche Status. Sie werden dann zu Bürgern von Ebhausen, welche sich im `Betreuten Wohnen` befinden und mittellos sind. Somit wird das Sozialamt des Kreises zuständig und übernimmt für die Hilfesuchenden die so genannte Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU), die Mietkosten und ggf. den Bedarf für Kleider  und Krankenkassenbeitrag. Den Betrag in Höhe von DM 493.- für Lebensmittel, Konsum und Freizeitgestaltung erhalten die Männer dann in der Regel über die Kasse des örtlichen Rathauses Anfang des Monats ausbezahlt. Wichtig bei den Sozialhilfeleistungen ist, immer wieder darauf zu achten, dass die Beantragung rechtzeitig im Voraus erfolgt und diese Einnahmen gut eingeteilt und durch günstige Einkäufe gezielt eingesetzt werden, damit es am Monatsende auch noch fürs Essen reicht. Für Freizeitveranstaltungen bleibt oftmals nach dem 20-sten des Monats keine Mark mehr übrig. Im LZE versuchen wir daher öfters, Freikarten für Eintritte zu besonderen Veranstaltungen zu bekommen, um allen eine Teilnahme zu ermöglichen.

Innerhalb des Lebenszentrums lässt es sich mit den Sozialhilfeleistungen bescheiden, aber erträglich leben. Gemeinschaftliche Freizeitveranstaltungen können günstig in Anspruch genommen werden, Spiele und Geräte zur Freizeitbeschäftigung, schriftliche und elektronische Medien sind im Haus vorhanden. Sehr problematisch werden allerdings die eigenen Schritte in die Unabhängigkeit. Der angestrebte Weg über die Aufnahme einer Arbeit und der Bildung von Rücklagen für den Auszug, lässt sich oftmals nicht in der Aufenthaltszeit im LZE verwirklichen. Die rechtlichen Möglichkeiten der Wohnungssuche und Beantragung von  Miet- und Kautionszusagen gegenüber den potentiellen Vermietern und die Möblierung einer kleinen Wohnung, benötigt sehr viel Ausdauer und Geduld. Hier erscheint es uns immer wieder wichtig, dass wir schnell und unbürokratisch Lösungen über eigene angemietete Wohnungen und unser kleines Möbellager anbieten können. Die staatlichen Hilfen werden auch bei gutem Willen der Ämter immer nur einen formalen und finanziellen Beitrag bei einer individuellen Resozialisierung leisten können. Für persönliche und ganzheitliche Unterstützung eines auf dem Weg der Genesung sich befindenden Menschen wird es immer etwas mehr bedürfen. Wir hoffen, diese Begleitung auch in Zukunft im LZE leisten zu können .  
Armin Rennung, Dipl. Soz. Päd. 

 
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